Umbau Büro IS4 – Blickwinkel Architektur

Von Michael Feß

Das Handwerksgebäude aus den 70er Jahren besaß durch seine in großen Teilen eingeschossige Bauweise und seinen vorhandenen Raumfolgen großes Potenzial, zum neuen Hauptsitz unseres Ingenieurbüros umgestaltet zu werden. Unser Grundgedanke war es, bei der Sanierung möglichst viel Bausubstanz zu erhalten, wissend, dass das Gebäude aufgrund des Baujahres und der damals angestrebten Werkstattnutzung die heutigen statischen und bauphysikalischen Grundnotwendigkeiten nicht erfüllen würde. So wurde das gesamte Außen- und Innenmauerwerk und der überwiegende Teil der Vorsatzschalen erhalten. Die Holzbinderdachkonstruktion ist ebenso intakt geblieben, musste jedoch ertüchtigt werden, um die neuen Lasten der PV-Anlage, der Dämmung und der Anlagentechnik aufnehmen zu können. Durch die umfassende Umgestaltung und Neuinstallation der Haustechnik mussten die meisten Abhangdecken erneuert werden, was die Möglichkeit zu neuen Gestaltungsakzenten schuf.

Das Gebäude besitzt zwei Seitenschiffe und ein etwas niedrigeres Mittelschiff, sowie in einem Teilbereich über dem nördlichen Seitenschiff ein Obergeschoss und eine Teilunterkellerung. Die Seitenschiffe verfügen über flach geneigte Pultdächer, die sich zum Gebäudeäußeren öffnen. Dadurch ergeben sich an den Außenkanten relativ hohe Geschosshöhen, während im mittleren Bereich geringere Abhangdeckenhöhen zur Verfügung stehen. Um den Dachrand spannend zu gestalten, wurden ursprünglich straßenseitig Trapezbleche vertikal an der Attika befestigt. Diese Optik sollte im Rahmen der Sanierung aufgewertet werden. Der Attikabereich erhielt somit wieder eine ca. 1 m hohe Aufkantung, statt der Trapezbleche wurden nun jedoch vertikal montierte Photovoltaikplatten angebracht, die als Ergänzung zur Hauptanlage auf dem Dach fungieren.

Zusammen mit dem bauphysikalisch notwendigen neuen WDVS in verschiedenen gedeckten Farben erhält die Fassade einen modernen Look, und erzeugt zeitgemäß obendrein Energie. Die Silhouette des Bestandsgebäudes bleibt erhalten.

Nach umfangreicher Bestandsanalyse wurde ein Entwurfskonzept erarbeitet, das die interne Wegeführung anpasste. Das Ziel war es, eine sternförmige Vernetzung der Abteilungen zu erreichen: Man betritt das Gebäude im Mittelschiff und kann von dort nun unmittelbar in alle Abteilungen gelangen. Das einladende Foyer, sowie der direkt anschließende Verwaltungsbereich wurden komplett neu designt.

Durch die unterschiedlichen Deckenhöhen im Rohzustand war es eine besonders interessante Aufgabe, den längs des Dachverlaufs anzuordnenden Hauptbesprechungsraum sowohl akustisch als auch architektonisch auf höchstem Niveau zu gestalten. Die Holzdecke spannt quer zum Schrägverlauf, wodurch sich für uns die Möglichkeit ergab, die Holzbalken sichtbar in die Architektur zu integrieren.

Unsere Statikabteilung sollte im ehemaligen Showroom des Handwerkbetriebs Ihr neues Zuhause finden. Aufgrund der vorherigen Nutzung besitzt der Raum eine Raumhöhe von 3,40 m, er sollte jedoch nicht den Charakter eines Großraumbüros erhalten. Die paarweise angeordneten Arbeitsplätze erhielten daher eine Individualbeleuchtung in Form von Stehlampen, sowie speziell designte Regalraumtrenner. Eine bei großen Büros bewährte Kojenbildung wird dadurch bewusst verhindert.